Flüchtlingsprojekt

Im August 2018 bekam ich den Auftrag  für die „Tafel“ in Ginsheim zu fotografieren. Neben der Bestückung der neuen Homepage ist daraus auch ein fotografisches Flüchtlingsprojekt entstanden.

Bei der „Tafel“ in Ginsheim sind viele Geflüchtete aus Äthiopien, Syrien Eritrea, Afghanistan, Kirkisistan, Iran, Irak aber auch Vertriebene, die bereits seit Kriegsende 1945  in Deutschland leben, ehrenamtlich tätig.  22 Personen interviewte und fotografierte ich, in einem improvisierten Studio in einem Nebenraum der Tafel, während der Ausgabe.

Die oben abgebildeten Plakate weisen auf die Ausstellung hin und sollen die  Neugierde der Anwohner wecken.

Aufgenommen habe ich die ausgestellten Portraits vor einem schwarzen Hintergrund, um die Persönlichkeiten und die Charactere in den Fokus zu setzen. Auf Texttafeln erfährt der Betrachter etwas über die Geschichte, über die Flucht und den Zuständen in der Heimat der jeweils abgebildeten Person.

Die Ausstellung wurde zunächst auf einer Tagung im November 2018, dem“ Integration Camp 2024″ in Berlin gezeigt, im Januar 2019 in der evangelischen Kirche in Ginsheim und im Februar 2019 im Landratsamt Groß-Gerau. Inzwischen hat sie durch ein Förderprojekt als Wanderausstellung sechs weitere Orte, wie das Rathaus in Raunheim, das Rathaus in Büttelborn, die Stadtkirche in Groß-Gerau, auf einer Flüchtlingsveranstaltung in Rüsselsheim, der Bücherei in Bischofsheim sowie zuletzt im Januar 2020 auf einem Flüchtlingskongress in Darmstadt durchlaufen.

Falls Interesse für eine Ausstellung der Bilder besteht, melden sie sich enweder bei der Tafel in Ginsheim oder bei mir:

mail(at)gestaltung-neumann.de

Aufträge für ähnliche Projektfotografie nehme ich gerne entgegen.

Presseberichte:
https://www.echo-online.de/lokales/kreis-gross-gerau/ginsheim-gustavsburg/tiefgrundige-portrats-wirken-wie-ikonen_19881852#

https://www.echo-online.de/lokales/kreis-gross-gerau/buettelborn/hallo-ich-bin-ihr-nachbar_20544288

https://ol.wittich.de/titel/734/ausgabe/42/2019/artikel/00000000000018547063-OL-734-2019-42-42-0

https://bischofsheim.de/startseite/pressemitteilungen/detailansicht/neue-fotoausstellung-in-der-buecherei-hallo-ich-bin-ihr-nachbar.html

https://www.raunheim.de/kalender/de/stadtverwaltung/-/1110_8966/calendar_show_details

Frau N.
(Afghanin)
Frau N. lebt seit drei Jahren im Flüchtlingsheim und arbeitet bei der Tafel.
„Mit meinen drei Brüdern und meinem behinderten Kind waren wir vier Monate auf der Flucht. Wir mussten viele Tage zu Fuß gehen und besaßen nichts mehr, als wir hier ankamen.“

„Mein Wunsch ist es, ein Leben ohne Angst führen zu dürfen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass meine Tochter hier die nötige Hilfe bekommt!“
Herr M.
(Iraker)
Herr Shwan M. ist Diplom-Pharmazeut und flüchtete vor drei Jahren mit seiner Frau nach Deutschland.
Inzwischen hat er zwei kleine Kinder und beginnt demnächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Er und seine Frau waren 15 Tage lang auf der Flucht.
„In meinem Land herrscht eine Mafiapolitik. Wir hatten nichts mehr zu essen und kein Trinkwasser.“
„Der ‚IS‘ ermordete meinen Vater und tötete meine Schwester, indem man sie anzündete.“

Frau H. (Sudetendeutsche)
Als Sudetendeutsche ist Frau H. 1946 mit 13 Jahren aus dem heutigen tschechischen Grenzgebiet (dem damaligen Sudetenland) vertrieben worden.
Sie wurde mit ihrer Familie in Viehwagons und Lkw`s verladen und verbrachte zwölf Tage im Lager, bis sie schließlich nach Ginsheim ins Rhein-Main-Gebiet kam.
„Am meisten schmerzte mich, dass man uns hier als ‚Russenpack‘ beschimpfte.“
Frau E.
(Russin)
1959 lernte Frau E. ihren Mann kennen, der als Deutschstämmiger aus der Ukraine nach Kasachstan deportiert worden war. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1992 entschied sich die Familie, das Land zu verlassen, um ihren Kindern die dort allgegenwärtige Diskriminierung zu ersparen.
„Meine Familie wurde in Kasachstan bis zu dem Zeitpunkt, als wir das Land verließen beschimpft, nur weil sie deutschstämmig war!“
 
Herr M.
(Eritreer)
Herr M. flüchtete vor drei Jahren nach Deutschland. Ein Kontakt zu seiner Familie, die noch immer in Eritrea lebt, ist kaum möglich.
„Ein Leben ist zuhause nichts wert – es gibt Folter, Militärzwang und du weißt nie, ob du den Tag überlebst.
„Die Flucht war entsetzlich. Wir haben gehungert und wären in der Wüste fast verdurstet.
Viele Menschen, mit denen wir unterwegs waren, starben.“
„Ich möchte hier glücklich werden.“
Herr E.
(Syrer)
Herr E. lebt seit drei Jahren mit seiner Frau und einem zehn Monate alten Baby in einer eigenen Wohnung in Deutschland. Als Physiotherapeut kann er inzwischen seine Familie selbst ernähren.
„Syrien lebt von Korruption. Wer nicht reich ist, kann grundlos verhaftet werden. Menschenrechte gibt es nicht!“
„Mein größter Wunsch ist es, dass wir all das, was uns Deutschland gegeben hat, einmal zurückgeben können! Dazu sehe ich uns in der Pflicht!“