Im August 2018 bekam ich den Auftrag  für die „Tafel“ in Ginsheim zu fotografieren. Daraus entstand neben der Bestückung der neuen Homepage auch ein fotografisches Flüchtlingsprojekt.

Bei der „Tafel“ in Ginsheim sind viele Geflüchtete aus Äthiopien, Syrien Eritrea, Afghanistan, Kirkisistan, Iran, Irak aber auch Vertriebene die schon seit Kriegsende 1945  hier leben ehrenamtlich tätig. Ich  habe sie alle interviewt und fotografiert.
Unter dem Motto „Hallo ich bin Ihr Nachbar!“ werden die Anwohner auf die „Mitbewohner“ aufmerksam gemacht. Die oben abgebildeten Plakate weisen auf die Ausstellung hin. Die ausgestellten Bilder entstanden in einem improvisierten Studio in einem Nebenraum der Tafel während der Ausgabe. Auf Texttafeln erfährt der Betrachter etwas über die Geschichte, über die Flucht und den Zuständen in der Heimat des Abgebildeten.
Die Ausstellung wurde bereits auf einer Tagung im November 2018, dem“ Integration Camp 2024″ in Berlin gezeigt, bis Anfang Februar 2019 ist sie in der evangelischen Kirche Ginsheim zu sehen und wandert am 11. Februar weiter ins Landratsamt Groß-Gerau.

 

Presseberichte:
https://www.echo-online.de/lokales/kreis-gross-gerau/ginsheim-gustavsburg/tiefgrundige-portrats-wirken-wie-ikonen_19881852#

 

 

Fau N.
(Afghanin)
Frau N. lebt seit drei Jahren im Flüchtlingsheim und arbeitet bei der Tafel.
„Mit meinen drei Brüdern und meinem behinderten Kind waren wir vier Monate auf der Flucht. Wir mussten viele Tage zu Fuß gehen und besaßen nichts mehr, als wir hier ankamen.“
„Mein Wunsch ist es, ein Leben ohne Angst führen zu dürfen und ich bin sehr glücklich darüber, dass meine Tochter hier die nötige Hilfe bekommt!“

 

Herr M.
(Iraker)
Herr Shwan M. ist Diplom-Pharmazeut und flüchtete vor drei Jahren mit seiner Frau nach Deutschland.
Inzwischen hat er zwei kleine Kinder und beginnt demnächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Er und seine Frau waren 15 Tage lang auf der Flucht.
„In meinem Land herrscht eine Mafiapolitik. Wir hatten nichts mehr zu essen und kein Trinkwasser.“
„Der ‚IS‘ ermordete meinen Vater und tötete meine Schwester, indem man sie anzündete.“

 

Frau H. (Sudetendeutsche)
Als Sudetendeutsche ist Frau H. 1946 mit 13 Jahren aus dem heutigen tschechischen Grenzgebiet (dem damaligen Sudetenland) vertrieben worden.
Sie wurde mit ihrer Familie in Viehwagons und Lkw`s verladen und verbrachte zwölf Tage im Lager, bis sie schließlich nach Ginsheim im Rhein-Main-Gebiet kam.
„Am meisten schmerzte mich, dass man uns hier als ‚Russenpack‘ beschimpfte.“

 

Frau E.
(Russin)
1959 lernte Frau E ihren Mann kennen, der als Deutschstämmiger aus der Ukraine nach Kasachstan deportiert worden war. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1992 entschied sich die Familie, das Land zu verlassen, um ihren Kindern die dort allgegenwärtige Diskriminierung zu ersparen.
„Meine Familie wurde in Kasachstan bis zueltzt beschimpft, nur weil sie deutschstämmig war!“
Herr M.
(Eritreer)
Herr M. flüchtete vor drei Jahren nach Deutschland. Ein Kontakt zu seiner Familie, die noch immer in Eritrea lebt, ist kaum möglich.
„Ein Leben ist zuhause nichts wert – es gibt Folter, Militärzwang und du weißt nie, ob du den Tag überlebst.
„Die Flucht war entsetzlich. Wir haben gehungert und wären in der Wüste fast verdurstet.
Viele Menschen, mit denen wir unterwegs waren, starben.“
„Ich möchte hier glücklich werden.“
Herr E.
(Syrer)
Herr E. lebt seit drei Jahren mit seiner Frau und einem zehn Monate alten Baby in einer eigenen Wohnung in Deutschland. Als Physiotherapeut
kann er inzwischen seine Familie selbst ernähren.
„Syrien lebt von Korruption. Wer nicht reich ist, kann grundlos verhaftet werden. Menschenrechte gibt es nicht!“
„Mein größter Wunsch ist es, dass wir all das, was uns Deutschland gegeben hat, einmal zurückgeben können! Dazu sehe ich uns in der Pflicht!“